Nach ausgiebigen Jahren der Erkundung verschiedenster Plastikmodellbau-Hersteller im kleineren Maßstab 1:24, standen die möglichen Ergebnisse im Widerspruch zu den gestiegenen Erwartungen. Mit Beginn der Lehrzeit hatte ich dann zusätzliche Mittel zur Verfügung. Weiterhin vorhandene, finanzielle Defizite wurden mit Unterstützung, vorwiegend meiner Oma, ausgeglichen. Erstmals waren Automodelle des Herstellers Tamiya im Maßstab 1:12 und Motorräder in 1:6 möglich. Dessen detailgetreue Modelle, den höchsten Ansprüchen im Plastikmodellbau genügen, wurden der neue Standard. Wer die hunderte von Teilen umfassende Kette der Honda CB 750 gebaut hat, weiss wovon ich rede. Für alle mit schwachen Nerven, gab es damals im Bausatz auch die Vollplastikversion.
Mit meinem Freund A. wurde im internen Wettstreit nahezu jedes verfügbare Formel-1-Modell auf die Räder gestellt. Mit Ferrari, Lotus, Brabham, Tyrell und McLaren waren dabei nahezu alle damaligen Spitzenteams vertreten. Verkaufspreis damals bis zu 100,- DM. Bei meinem Lehrlingsgehalt in etwa gleicher Größenordnung bin ich meiner Oma und Eltern noch heute dankbar. Ein gutsortierter Modellbauladen im Nachbarort verkaufte uns in Folge auch die Modellbaukästen mit fehlenden oder beschädigten Spritzlingen. Die Modellbau-Exzesse gingen im großen Maßstab weiter…
Auf diesem Weg stießen wir eines Tages auf Panzermodelle 1:35 mit Kabelfernsteuerung. Wobei der Wortbestandteil fern eher mit nah zu beschreiben wäre. Das Kabelpaket, welches der Panzer hinter sich herzog, war derart kurz, dass nur kleinere Personen dauerhaft damit spielen wollten. Das Erlebnis wurde zusätzlich durch die ständig abspringenden Gummiketten getrübt. Die damals schon verfügbaren Panzermodelle im Maßstab 1:16 waren da eine andere Güteklasse, für uns aber unerreichbar, weil damals wie heute teuer!
In den folgenden Jahren gehörten die ersten ferngesteuerten Tamiya-Modelle mit Hartkunststoff-Karosserie und Anbauteilen wie Spiegel, detaillierten Kühlergrills und weiteren exponierten Anbauten zum Favoritenkreis. Dem Fachmann wird der permanente Verlust dieser Kunststoff-Kleinteile in guter Erinnerung bleiben. Die damalige Akkutechnik beendete den Spiel- und Vortrieb zudem nach spätestens 15 Minuten. Erste Tuningversuche, unwissender Weise mit stärkeren Motoren, bewirkten das genaue Gegenteil. Die Fahrzeuge waren nahezu unfahrbar und bogen beim Beschleunigen mit ausschließlichem Heckantrieb, abrupt im 90° Winkel von der ursprünglich geplanten Fahrtrichtung ab. Versuche mit verschiedensten Mischungen von Mossgummireifen zeigten mir zumindest die Grenzen auf.
Mit dem PKW-Führerschein war dann mehr der Wunsch nach Motorgeräuschen und Spritgeruch präsent. Den weiteren Weg kann ich abkürzen. Auch Verbrenner fahren mit den gleichen Problemen wie heckgetriebene Elektroautos. Der einzige Unterschied, es kostet mindestens das Doppelte, eher das Dreifache. Zudem erzeugen die Verbrenner beim Fahren mit bis zu 100 km/h einen enormen Unterduck. In Verbindung mit dem 85%igen Anteil an Schmierstoffen im Sprit, stellen sie jegliche Staubsauger locker in den Schatten. Länger Reinigen als Fahren war die Folge. Und natürlich war jeder Versuch die passende Reifenmischung zum jeweiligen Fahrbahnbelag zu finden wieder zum Scheitern verurteilt. Die schon damals erhältlichen vollgefederten Allradler waren für mich nicht bezahlbar. Sie fuhren schon auf Gummireifen und entsprechenden Einlagen, wie auf Schienen. Die Zeiten entlang der permanenten RC-Rennstrecke in Wiesbaden sind mir noch heute in bester Erinnerung. In diese Zeit fiel auch der Einsatz der ersten automatischen 2-Gang-Schaltgetriebe, alles im Maßstab 1:8. Ich höre dieses Schaltgeräusch noch immer…
Unter anderem Tamiya brachte diese Allradtechnik mit toller Karosserieoptik in Lexan-Ausführung auf den Markt, TA01 hieß das Wunderteil für den Massenmarkt. Es ist bis heute in Varianten erhältlich und für den Einstieg sehr empfehlenswert. Das Schöne daran, es lässt sich fast überall und weitestgehend ohne störende Geräusche einsetzen. Wer einmal die sich drehenden und federnden Räder beim Fahren beobachtet hat, weiß wovon ich spreche. Langsam ist das nach meiner Meinung am schönsten und dann muss wie schon eh und je auch die Gesamtansicht dazu passen. Wieder ist es Tamiya, deren geländetauglichen Modelle wie der Toyota 4×4 Pickup Bruiser mich in den Bann ziehen. Die Entscheidung ist gefallen, bis ich auf einem bekannten Portal ein Video sehe…
Meinen Sohn, bis zu einem weit zurückliegenden Weihnachtsfest, ein „Klassensprecher“ Betonung auf Sprecher und kleiner Unruheherd, ist ein Beispiel für die positive Wirkung von Modellbau. Sein lange gehegter Wunsch, ein RC-Auto wie Papa, wird zum überraschenden Weihnachtsgeschenk. Das Modell Grashopper ist der Einstieg. Er baute und schraubte fast drei Tage selbst, mit meiner mentalen Unterstützung. Vorab alle Akkus laden ist selbstredend. Nach dem Fahren ist die Reinigung obligatorisch, dass Laden der Akkus sowieso. Und die Erkenntnis kommt in Form der Lehrerin. „Was ist nur mit M. geschehen, wie umgedreht, aufmerksam und wissbegierig, hat er einen Tier bekommen?“ Die Antwort kennen wir bereits. Der Kleine, heute größer als Papa, ist inzwischen Werkstattmeister in einem renommierten Autohaus und der RC-Modellbau ist glücklicherweise noch immer unser gemeinsames Hobby.
Fortsetzung folgt…